BStK Online

Datenbank der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften

BStK.-Nr. 384

Handschrift(en)
  • Leipzig, Universitätsbibliothek Rep. II. 6
Glossierte Inhalte
  • 384, f. 1r: Glossar zur Bibel
  • 384, f. 1r: Glossar zu unbekannten Schriften
  • 384, f. 1v-196v: Canones conciliorum der Dionysio-Hadriana
  • Zahl und Art der Glossen

    Insgesamt 207 Glossen (f. 1r-196v):
    - Textglossar: 8 im fortlaufenden Glossartext stehende Glossen [f. 1r (6), 196v (2)] zu unbekannten Schriften.
    - Textglossar: 14 im fortlaufenden Glossartext stehende Glossen (f. 1r) zur Bibel, 1. und 2. Samuel, Exodus. Die Glossarhände sind teilweise mit den Textglossenhänden zu verbinden.
    - Textglossierung: 185 (f. 3v-145r) zu den Canones conciliorum der Dionysio-Hadriana; Glossen zum Teil interlinear, zum Teil marginal stehend; Glossen von zwei Haupt- und mehreren Nebenhänden eingetragen; in den Glossen zum Teil Runenzeichen verwendet; Text auch lateinisch glossiert.
    Einige der Glossen liegen in Kürzung vor.

    Neufunde: Der Codex weist nach einem Fund von Andreas Nievergelt "eine Reihe von bislang nicht bemerkten Griffeleintragungen in lockerer Streuung auf, bei denen es sich um volkssprachige (21 gelesene) und lateinische (7 gelesene) Textglossen, Korrekturen am Text sowie Zeichen handelt, die vielleicht als Aufmerksamkeitsmarken dienten" (Nievergelt 2026, S. 179). Nievergelt (S. 179) stellt weiter fest: "Da sich die Eintragungen in Schrift und Schreibinstrument mannigfaltig unterscheiden, ist von mehreren Akteuren auszugehen. Die Glossen sind in der Mehrzahl vollständig lesbar, einige allerdings erst nach langwierigen Entzifferungsbemühungen. Probleme bereitet dabei weniger die Schrift oder die Prägnanz der Eintragung als vielmehr die Beschaffenheit des Pergaments, das an den betreffenden Stellen öfters rau und pelzig ist". Zwei der Glossen (f. 8r, Z. 25 und f. 34r, Z. 21) weisen eine ven-Schreibung auf.
    Unter den Glossatoren hat einer sowohl mit Feder, als auch mit Griffel glossiert (Glossenhand 2 bzw. A), was ansonsten für keine Handschrift feststellbar ist.

    Zeit

    Ferderproben (nach Nievergelt 2026, S. 193) erst im 10. Jahrhundert und damit nicht am Entstehungsort des Codex eingetragen, da er entsprechend der Vermerke im Codex bereits um 900 in Halberstadt war. Die Vorlagen müssen etwa einhundert Jahre alte Handschriften gewesen sein, die die Schreiber getreulich kopiert haben. "Nur so ist die Verwendung von wynn und ven so ungewöhnlich spät und in einer solchen Ausführlichkeit noch vorstellbar" (Nievergelt 2026, S. 193).
    Der Codex wurde demnach etliche Jahrzehnte nach seiner Entstehung an einem neuen Ort, womöglich Halberstadt, "nach einer dort befindlichen Vorlage einer Revision des Textes unterzogen und dabei, von mehreren Glossatoren und wegen der verschiedenen w-Schreibungen wohl auch aus mehreren Vorlagen, mit Glossen versehen" (Nievergelt 2026, S. 179).
    Nur Glossenhand B der Griffelglossenschichten zeugt von einer volkssprachigen Glossierung noch im 9. Jahrhundert (Nievergelt 2026, S. 193).

    Ort

    Möglicherweise Halberstadt.

    Sprachgeographische Einordnung

    Glossen der ersten Hand ostfrk. (nach G. Baesecke, Kleinere Schriften, S. 48; G. Baesecke, II, S. 196; R. Bergmann, S. 287; I. Frank, S. 223); Glossen der zweiten Hand mfrk. (nach G. Bae- secke, II, S. 196; R. Bergmann, S. 289; I. Frank, S. 222; G. Müller - Th. Frings, S. 405; F. Simmler, S. 37); as. Abschrift einer frk. Vorlage (nach Th. Klein, S. 176); mfrk.-rhfrk. Abschrift einer rhfrk. Vorlage (nach G. Baesecke, Kleinere Schriften, S. 48f.); Glossen der dritten Gruppe ostfrk. (nach I. Frank, S. 223).
    Nach A. Nievergelt 2026, S. 187 ist auch die Sprache der Griffelglossen als mittelfränkisch zu bestimmen (geschrieben in westfränkisch-romanisch
    geprägter Orthographie). Die wenigen verfügbaren Anhaltspunkte weisen darauf hin, dass die Sprache der Griffelgossen als südlicher als diejenige der Federglossen zu bestimmen ist.

    Edition

    StSG. I, S. 707 (Nr. CCCLXVIb: Anhang zur Bibel, 1. und 2. Samuel, Exodus); II, S. 140-144 (Nr. DXCVII: Canones conciliorum der Dionysio-Hadriana); IV, S. 247 (Nr. MCCXXXVI: Unbekannte Schriften); Berichtigungen, Nachträge sowie erneute vollständige Edition bei I. Frank, Die althochdeutschen Glossen der Handschrift Leipzig Rep. II. 6, S. 41-129; Korrekturen an der Edition der Federglossen bei Nievergelt 2026, S. 175-176; vollständige Edition der althochdeutschen und lateinischen Griffelglossen bei Nievergelt 2026, S. 180-185 (Glossenhand A), S. 189-191 (Glossenhand B), S. 192-193 (die weiteren Hände).

    Literatur zu den Glossen: Stand des Katalogs 2005
    Literatur zu den Glossen: Ergänzungen seit 2005
    Zitierempfehlung (HTML/XML)

    Bei der Übernahme von Informationen zur vorliegenden Handschrift aus der Datenbank empfehlen wir folgende Zitation: BStK Online: https://glossen.germ-ling.uni-bamberg.de/bstk/384 [Stand 15.04.2026].

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    Letzte Änderung: Stefanie Stricker, 06.04.2026